Pressemitteilung „Wir dürfen keine Mauern, wir müssen Brücken bauen“

Stellungnahme des LVIKZ-BW zu den aktuellen Entscheidungen um die „Filder-Moschee“ und das geplante Schülerwohnheim in Leinfelden-Echterdingen

Der Landesverband der Islamischen Kulturzentren Baden-Württemberg, dem auch der VKBI Verein für Kultur, Bildung und Integration in Leinfelden-Echterdingen angeschlossen ist, bedauert außerordentlich die Entscheidung des Gemeinderates von Leinfelden-Echterdingen vom 11. Dezember 2018, nach der die Stadt den Rückkauf des Grundstücks geltend macht, auf dem der VKBI derzeit sein Bauvorhaben verwirklicht. Zugleich weist der Verband gegen ihn und seine Arbeit erhobene Vorwürfe mit aller Entschiedenheit zurück und ruft zu Toleranz und einem friedlichen Miteinander auf.

Der Landesverband appelliert an alle Akteure, ohne gegenseitige Schuldzuweisungen sowie in einem fairen und konstruktiven Verhandlungsprozess an der Verwirklichung des von der Stadt Leinfelden-Echterdingen und dem VKBI gemeinsam eingeleiteten Projekts im Sinne aller Beteiligten mitzuwirken. Die sog. Filder-Moschee ebenso wie das geplante Schülerwohnheim könnten einen wichtigen Beitrag zu gesellschaftlicher Integration und einem friedlichen und toleranten Miteinander leisten, zu dem gerade heute alle aufgerufen seien.

„Wir dürfen keine Mauern, wir müssen Brücken bauen“, betonte der Vorstandsvorsitzende des LVIKZ-BW, Yavuz Kazanç. Der langjährige Vorsitzende des Landesverbandes war 2015 von Ministerpräsident Winfried Kretschmann für sein „Engagement als Brückenbauer in die Gesellschaft und seine besonderen Verdienste für die Integration der muslimischen Bürgerinnen und Bürger“ mit dem Verdienstorden des Landes in Baden-Württemberg ausgezeichnet worden.
Nach Einschätzung des LVIKZ-BW hat zu der derzeit scheinbar verfahrenen Situation in Leinfelden-Echterdingen auch die seit längerem anhaltende und durch rechtspopulistische Stimmungsmache angeheizte politische und gesellschaftliche Auseinandersetzung um Migration im Allgemeinen und den Islam in Deutschland im Besonderen beigetragen.

Schülerwohnheime leisten wichtigen Beitrag zur Integration
Mit aller Entschiedenheit weist der LVIKZ-BW in diesem Zusammenhang Vorhaltungen zurück, in den Wohnheimen würden Schüler indoktriniert oder gar einer „Gehirnwäsche“ unterzogen. Das Gegenteil sei der Fall: Durch Unterstützung der schulischen Bildung, Erziehung zu einem selbstbestimmten Leben sowie durch vielfältige Präventionsarbeit leisteten die Wohnheime einen elementaren Beitrag zur Integration der muslimischen Jugendlichen in die deutsche Gesellschaft und die Verinnerlichung der Normen und Werte der Verfassung dieses Landes. Die religiöse Bildung erfolge zudem durch Imame, die nicht etwa aus dem Ausland „importiert“ sind, sondern der Verband bilde schon seit fast 30 Jahren junge, in Deutschland sozialisierte Menschen vor Ort zu Imamen aus.

Diese positive Integrationsleistung der Wohnheime wird nach Feststellung des LVIKZ-BW sehr eindrucksvoll belegt durch die empirische Untersuchung über die „pädagogische Arbeit in den Wohnheimen des Verbandes der Islamischen Kulturzentren e.V.“ von Prof. Dr. Ursula Boos-Nünning von der Universität Duisburg-Essen (www.vikz.de/index.php/publikationen). „Auch hier gilt: Wir sollten nicht vorurteilsbelastet übereinander reden, sondern miteinander sprechen. Interessierte sind deshalb herzlich eingeladen, sich selbst ein Bild von der pädagogischen Arbeit in unseren Schülerwohnheimen zu machen“, unterstrich Yavuz Kazanç, der zudem auch darauf hinwies, dass die Schülerwohnheime vom Kommunalverband Jugend und Soziales (KVJS) genehmigt und auch regelmäßig kontrolliert werden. „Wir stehen in einem ständigen Austausch und arbeiten eng mit dem Landesjugendamt zusammen“ sagte Kazanç weiter.

Bekenntnis zu Pflichten und Rechten des Grundgesetzes
Unmissverständlich und eindeutig bekräftigt der LVIKZ-BW sein gelebtes Bekenntnis zum Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Die immer wieder als anachronistisch kritisierte Geschlechtertrennung in Moscheen und Wohnheimen widerspreche dabei nicht dem Grundsatz der Gleichberechtigung von Frauen und Männern, sondern sei durch den grundgesetzlich garantierten Grundsatz der Religionsfreiheit legitimiert. „Ja, wir sind fromme Muslime. Die Geschlechtertrennung ist Bestandteil unserer islamischen Lehre. Aber wir dürfen, wie jeder andere auch, die grundgesetzlich gewährten Rechte ebenso in Anspruch nehmen wie wir seine Pflichten uneingeschränkt respektieren“, so der Vorstandsvorsitzende des LVIKZ-BW.

Über den LVIKZ-BW

Der Landesverband der Islamischen Kulturzentren e.V. ist ein im sozialen und kulturellen Bereich tätiger gemeinnütziger Verein und eine islamische Religionsgemeinschaft im Sinne des Artikels 140 GG, der seine Aktivitäten nach geltendem Recht ausübt.
Gegründet wurde der Landesverband im April 1968 unter dem Namen "Islamische Union e.V." in Stuttgart, um die Bedürfnisse der damaligen muslimischen, vor allem der türkischen Gastarbeiter in Baden Württemberg zu erfüllen. Dem Landesverband sind landesweit zirka 40 selbstständige
Moschee- und Bildungsvereine angeschlossen. Ziel und Zweck der Verbandsarbeit ist die religiöse, soziale und kulturelle Betreuung von Muslimen in Baden-Württemberg.

Der LVIKZ-BW kooperiert seit vielen Jahren mit staatlichen Institutionen. Er ist darüber hinaus mit der evangelischen und der katholischen Kirche sowie der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg regelmäßig im Austausch und arbeitet in unterschiedlichen Projekten. Auf diese Weise wird ein gemeinsamer Beitrag für ein harmonisches und friedliches gesellschaftliches Zusammenleben geleistet und durch vielfältige Begegnungen ein besseres Kennenlernen ermöglicht.

Weitere Informationen
Yavuz Kazanç
Tel: 0172 73 78 293
Fax: 0711/2578580
Mail: info@lvikz-bw.de
yavuz.kazanc@t-online.de